Wanzen-Invasion in Amerika
Das Land erlebt eine nie dagewesene „Bettkäfer“-Plage – Wissenschaftler ratlos – Rudelweise Beißangriffe
Der Feind steckt überall, Straße um Straße, Hotel um Hotel erobert er die USA. Für viele Reisende ist der nervöse Blick unter die Matratze zum Reflex geworden. Cimex lectularius alias Bettwanze heißt der Übeltäter – für die Amerikaner ist es nur noch „the Bedbug“, der „Bettkäfer.“
Wer zurzeit durch die USA reist, sollte besser wissen, wo der Gegner lauert. Bedbugregistry.com heißt ein Internetportal, das es dank interaktiver Landkarte erlaubt, die Bedrohung einzukreisen. Bettwanzen gibt es auch in Europa. Lange galten sie in den USA dank intensiver Schädlingsbekämpfung fast als ausgerottet. Doch wenn die inzwischen resistent gewordenen nur vier bis fünf Millimeter großen Tierchen sich nur halb so schnell vermehren wie die Berichterstattung über sie, dann erlebt das Land eine nie dagewesene Invasion.
Sogar im UN-Gebäude und dem Empire State Building fühlen sich die Blutsauger wohl.
Sie krabbeln, sie beißen – und machen Wissenschaftler ratlos“, schreibt die „New York Times“. Das Nachrichtenmagazin „Time“ zählt auf, wo die Tiere in der Wanzen-Hochburg New York schon aufgespürt wurden: „Man fand sie im Empire State Building, bei den UN, im Time Warner Center und im Büro des Staatsanwaltes von Brooklyn.“ Dass die Bettwanze ein lästiger, aber harmloser Blutsauger ist und keine Krankheiten überträgt, ist kein Trost. Wer die Tiere, die monatelang, ohne Nahrung auskommen, in den Ritzen seines Koffers nach Hause geschleppt hat, wird sie so schnell nicht los Gegen Gift ist der „Bed Bug“ immun – nur Hitze mag er nicht. Und so fackeln Amerikaner bei der verzweifelten Hitzebestrahlung ihrer Möbel immer öfter ihre Wohnungen ab.
Bei einem Feuer in Denver wurde sogar die Feuerwehr selbst zum Angriffsziel. Dort brachen Flammen auf einem Dachboden aus, der von Bettwanzen bewohnt wurde. Die Blutsauger flüchteten und machten sich derart massenhaft auf der Kleidung der Feuerwehrleute gemütlich, dass diese dekontaminiert werden mussten. (wir berichteten). Die rudelweise ausgeführten Beißangriffe sind für viele ein Trauma. „Ich habe Leute mit einem Nervenzusammenbruch nach Wanzenattacken erlebt“, sagt Insektenforscher Jeffrey White, der eine Fernsehsendung namens „Bed Bug TV“ moderiert.
Doch nun schlägt Uncle Sam zurück. Das Magazin „Time“ berichtet in der neuesten Ausgabe seitenweise über einen Bettwanzen-Kongress in Chicago. Das Wirtschaftsmagazin „Bloomberg Businessweek“ garnierte eine Analyse der boomenden Wanzenbekämpfer-Branche mit Dutzenden über dem Text verstreuten Tierchen in Originalgröße. Erst wenn der erschreckte Leser die Gefahr abschütteln will, wird klar, dass das nur Abbildungen sind. Das Magazin empfiehlt den Wärmekiller „Heat Assault 500X“ zu 1500 Dollar für eine achtstündige Behandlung.
Als sei es damit nicht schon genug, kämpft die amerikanische Ostküste einen Zweifrontenkrieg mit einem Chinaimport der unangenehmen Art „Stink Bug“, also „Stinkkäfer“, heißt die Terror-Wanze Nummer zwei, die mit ihren rund 1,5 Zentimetern nicht zu übersehen ist. Der deutsche Name „Marmorierte Baumwanze“ ist reine Beschönigung: Wer das Tier zertrampelt, der muss einen penetranten Geruch nach Schweißfüßen ertragen. Laut „Washington Post“, der das Thema eine Titelgeschichte wert war, rollt der Käfer zurzeit die Region um die US-Hauptstadt auf. „Das wird in diesem Jahr biblische Ausmaße annehmen“, prophezeit Mike Raupp, Insektenforscher der Universität Maryland.
Bewohner der Region berichten von hunderten Tiere, die vor dem Herbstwetter in die Häuser fliehen. Auch diese Wanze scheint das Land der unbegrenzten Möglichkeiten attraktiver zu finden als Europa, wo sie ebenfalls nachgewiesen wird.





