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Schädlingsbekämpfung - Betriebswirtarbeit - Schädlingsmanagement in der Gastrononie - Hotelfachschule Heidelberg

Hotelfachschule Heidelberg
Schuljahr 2002/2003
Betriebswirtarbeit
Schädlingsmanagement im Gastgewerbe

vorgelegt von
Nadine Schwamm

Anschrift der Verfasserin:
Rathausstraße 3
69126 Heidelberg
Tel.: 06221 / 589659

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort 4
2 Einleitung 5
3 Prophylaxe als vorbeugende Maßnahme 6
3.1 Präventivmaßnahmen 6
3.1.1 Schädlingsvermeidung 6
3.1.2 Schädlingsfrüherkennung 8
3.2 Kosten einer Prophylaxe 8
4 Praktisches Beispiel einer Präventivmaßnahme 9
5 Verursachte Schäden 10
6 Gastronomierelevante Schädlinge 11
6.1 Schaben als Gesundheits- und Hygieneschädlinge 11
6.1.1 Schabenarten 11
6.1.2 Lebensweise und Fortpflanzung 12
6.1.3 Schäden 13
6.1.4 Bekämpfung 14
6.2 Nagerschädlinge 14
6.2.1 Hausmaus 14
6.2.2 Ratten 15
6.2.3 Schäden 17
6.2.4 Bekämpfung 18
6.3 Die Pharaoameise als Gesundheits- und Hygieneschädling 19
6.3.1 Herkunft und Lebensweise 19
6.3.2 Schäden 20
6.3.3 Bekämpfung 20
7 Systematische Vorgehensweise bei einer Bekämpfung 20
7.1 Befallsermittlung 21
7.2 Bekämpfungsvorbereitungen 21
7.3 Bekämpfung 21
7.4 Erfolgskontrolle und weitere Maßnahmen 22
8 Bekämpfungsverfahren 22
8.1 Physikalische Verfahren 22
8.2 Biologische Verfahren 23
8.3 Biotechnische Verfahren 23
8.4 Chemische Verfahren 23
9 Schluss 24
Literaturverzeichnis 25
Anlagen 26
Anlage 1: Kleines Schädlingslexikon 26
Erklärung 30

1 Vorwort

Die Erstellung dieser Arbeit in ihrem kompletten Umfang war nur durch die gute Zusam-menarbeit und dem durch die Firmen und Verbänden zur Verfügung gestellten Informationsmaterial möglich. So konnte ich bei der Jahreshauptversammlung des Wirtschaftkon-trolldienstes teilnehmen und Einblicke in ihre tägliche Arbeit bekommen. Aufgrund meiner kurzen Ansprache über das Schädlingsmanagement im Gastgewerbe, bekam ich eine positive Resonanz und wurde neben dem Vorsitzenden des Verbandes der Lebensmittelkon-trolleure, Herrn Rainer Nuss, von zahlreichen anderen Mitgliedern des WKD-Baden Würtemberg mit Fallbeispielen, Bildmaterial und Informationen aus dem beruflichen Alltag unterstützt.

Desweiteren bot mir die Firma Holl & Stockhausen GmbH in Wuppertal, die im Bereich der Schädlingsbekämpfung tätig ist, die Möglichkeit durch ein zweitägiges Praktikum die praktische Seite der Schädlingsbekämpfung kennen zu lernen.
Zusätzlich stellte mir die Firma DEULA Rheinland aus Kempen, die IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer ausbildet, umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung.
Ich möchte hiermit allen, auch den nicht hier namentlich erwähnten Unternehmen und Personen, für die Unterstützung und gute Zusammenarbeit danken.

2 Einleitung

Das Management eines Betriebes besteht nicht nur aus der Überprüfung des Wareneingangs, der Lagerung und der Kontrolle der Warenkosten. Es ist genauso wichtig dafür zu sorgen, dass die Abfälle, die beim Umgang mit Lebensmitteln entstehen, ordnungsgemäß entsorgt werden können. Ein weiterer wesentlicher Bereich ist die Überwachung der Hygiene und Hygienevorschriften in einem Betrieb, zu der auch die unangenehme Seite des Schädlingsmanagements gehört. Ein umfassendes Schädlingsmanagement zeichnet ne-ben anderen Qualitätsfaktoren einen guten gastronomischen Betrieb aus.
Insbesondere Vorratsschädlinge und Hygieneschädlinge spielen im Gastgewerbe eine relevante Rolle. Sie sind nicht nur unter dem Gesichtspunkt zu sehen, dass Menschen sie als ekelerregend und abstoßend empfinden, sondern auch unter dem Aspekt der Gesund-heitsgefährdung. Sie verursachen nicht nur Fraßschäden, sondern verunreinigen und übertragen auf Grund ihrer vielschichtigen Ernährungs- und Verhaltensweise, auch eine beträchtliche Anzahl von Keimen und Mikroorganismen, die Lebensmittel für den mensch-lichen Verzehr unbrauchbar bzw. ungenießbar machen. Deshalb ist es wichtig, diesem Thema die Aufmerksamkeit zu widmen, die es verdient.
Durch unsere Lebensweise haben wir gute Bedingungen geschaffen, um Schädlingen ei-nen geeigneten Lebensraum zu bieten. Sie dringen in unsere Häuser ein, in denen sie ideale Überlebensbedingungen und gleichzeitig optimale Voraussetzungen für ihre Ver-mehrung vorfinden. Feuchtwarme Räume wie Küche und Bad sowie Decken- und Wand-verkleidungen bieten ihnen ideale Verstecke. Das Thema Schädlingsmanagement im Gastgewerbe wird leider immer noch sehr in den Hintergrund gerückt.
Doch jeder, der einen gastronomischen Betrieb führt, muss sich spätestens dann, wenn ein Befall entstanden ist, damit auseinander setzten. Leider kommt die Einsicht meist zu spät oder gar nicht. Folgen können zum Beispiel Verluste von Vorräten, Bekämpfungs-maßnahmen, die mit hohen Kosten verbunden sind, oder Bußgelder sein. Auch der Imageschaden, den der Gastwirt bei bekannt werden davonträgt, ist von enormen Aus-maß. Allein das Wissen oder der Verdacht, dass ein zu erwerbendes Nahrungsmittel mit Mäusen oder anderen Schädlingen in Kontakt gewesen sein könnte, schmälert die Verkaufsaussichten ernorm. Ganz zu schweigen vom Verlust der Konzession, die dem Wirt entzogen werden und ihn seine Existenz kosten kann.

In dieser Arbeit werden eine Anzahl von gastronomierelevanten Schädlingsarten vorgestellt und unterschiedlichste Vorgehensweisen aufgeführt, durch die ein Befall vermieden oder beseitigt werden kann. Es wird die Ernsthaftigkeit dieses Themas verdeutlicht und über die Gefahren, die von den Schädlingen ausgehen können, aufgeklärt. Leider wird gerade diese Problematik oft aus Unwissenheit ignoriert oder aus Angst um den guten Ruf verschwiegen. Dabei ist gerade das Schädlingsmanagement, das in den Bereich Qualität der Hygiene fällt (siehe Abbildung), ein wichtiger Bestandteil eines betrieblichen Ablaufes. Dieser entscheidende Bereich kann, genauso wenig wie die Qualität der Ware, die opti-sche Darbietung oder einer der anderen Sektoren ausgeklammert werden. Denn jeder dieser Bereiche ist unerlässlich, um den Kreis der Qualität zu schließen.

3 Prophylaxe als vorbeugende Maßnahme

Die Aufgabe der Prophylaxe ist die Schädlingsvermeidung und die Schädlingsfrüherken-nung, um einen möglichen Befall auszuschließen. Eine ernstgenommene Prophylaxe, die mit geringem Aufwand und Kosten verbunden ist,kann den Gastwirt vor ernormen Kosten schützen, die bei einem Befall entstehen können.

Wird bereits der Befallsbeginn erkannt, ist erstens der schon entstandene Schaden noch gering, und zweitens ist die erforderliche Bekämpfungsmaßnahme einfacher und preiswerter, da oft eine Behandlung von Teilbereichen des Betriebes ausreicht.

Ein Wirt, der seinen Betrieb regelmäßig von einer qualifiziert arbeitenden Schädlingsbekämpfungsfirma kontrollieren, sowie in einer Befallsituation behandeln lässt und dadurch die Schädlingsfreiheit seiner Produkte und Betriebsstätte garantiert, sollte sich diese Maßnahme als ein zusätzliches Qualitätsmerkmal und Marketinginstrument zu Nutze machen können.

3.1 Präventivmaßnahmen

Die wichtigste Vorbeugemaßnahme zur Vermeidung eines Schädlingsbefall, ist das Ver-hindern des Eindringens von Schädlingen. Grundvoraussetzung ist es, den Schädlingen keine optimalen Lebensbedingungen zu bieten.

Das Risiko eines Schädlingsbefalls kann durch geeignete Lagerungstechnik und gezielte Hygiene stark reduziert werden. Wer kühl, trocken und sauber lagert, hat bei regelmäßiger Überwachung kaum mit Problemen zu rechnen. War dies im Einzelfall nicht erfolgreich, gilt es, einen Befall, beispielsweise durch Monitoring, so früh wie möglich festzustellen.

Regelmäßige visuelle Inspektionen, bei denen vielleicht schon Routine entstanden ist, müssen immer bewusst angegangen werden und bei Erkennen eines Befalles sind pro-fessionelle Behandlungsmaßnahmen zu veranlassen, um einen Betrieb schädlingsfrei zu halten.

3.1.1 Schädlingsvermeidung

Geeignete Bauweisen

Bauliche Mängel, wie Ritzen an Fenstern und Türen, Risse in den Wänden, schadhafte Kellerfenster oder auch Versorgungsschächte und Leitungen, ermöglichen den Schäd-lingen ein leichtes Eindringen. Um ihnen dies nicht zu ermöglichen, müssen bei Beginn des Baus mögliche Schwachstellen eliminiert und bei einem bereits bestehendem Ge-bäude beseitigt werden.

Beispielsweise sollte auf Hohlräume (Kabelschächte), abgehängte Decken, Blenden, Abdeckbleche und Verkleidungen (sofern aus Sicherheitsgründen nicht erforderlich) verzichtet werden, da sich hinter ihnen häufig Speisereste ansammeln können und Schädlingen ideale Unterschlüpfe und Nistplätze geboten werden.

Aber auch durch einfachste Maßnahmen, wie das anbringen von Fenstergittern, kann man den Insekten den Zugang zu den Betriesräumen erschweren.

Rohwareninspektion bei Anlieferung

Um einen Befall rechtzeitig erkennen zu können, müssen ständig Kontrollen durchge-führt werden. Dazu gehört unter anderem die Überprüfung der angelieferten Ware.
Die meisten Vorratsschädlinge werden von außen eingeschleppt. Sie sind meist bereits beim Einkauf in oder auf den Waren enthalten oder werden bei der Anlieferung von Waren in den Betrieb hereingetragen.
Daher ist es wichtig, die eingehenden Waren und Verpackungsmaterialien bei der An-lieferung sorgfältig zu inspizieren und die Produkte direkt bei Anlieferung auszupacken und einzulagern. Die befallene Ware muss sofort vernichtet und ordnungsgemäß ent-sorgt werden

Kühlung, Trocknung

Eine kühle und trockene Lagerung verlangsamt die Vermehrung von Schädlingen. Eine ausreichende Belüftung verhindert eine Erhöhung der Feuchtigkeit und erschwert so die Lebensbedingungen der Schädlinge. Die Industrie hat sich durch professionelle konzipierte Kühlhäuser und Lagerräume auf diesen Bedarf eingestellt. Auch in diesem Bereich sollte man sich umfassend beraten lassen.

Hygienemaßnahmen

Peinliche Sauberhaltung des Betriebes und sachgerechte Abfallbeseitigung müssen gewährleistet sein um den Schädlingen die Ernährungsgrundlagen zu entziehen. Die Vorschriften der HACCP helfen dabei dies konsequent umzusetzen.
Lebensmittelreste sollten nicht länger als unbedingt nötig liegen gelassen werden, sondern regelmäßig wegräumt und die Arbeitsflächen kontinuierlich gesäubert werden.
Feuchtigkeitssammlungen sind in allen Hygienebereichen zu vermeiden.
Produktions- und Lagerräume sind regelmäßig zu reinigen, insbesondere ist auf dunkle und schwer zugängliche Ecken und Winkel zu achten. Vielfach werden Abfallbereiche und Müllcontainer vernachlässigt. Entweder schließen die Deckel nicht oder verschüt-tete Abfälle bleiben achtlos auf dem Boden liegen. Für Mäuse und Ratten bietet dies eine ideale Nahrungsquelle und einen hervorragender Lebensraum.

Verpackungsschutz

Der Geruch von Lebensmitteln kann Schädlinge anziehen, da Verpackungen oft nicht völlig dicht sind. Sie können durch die kleinsten Ritzen und Öffnungen eindringen. Papier, Pappe sowie einige Kunststoffe werden leicht mit Hilfe ihrer Mundwerkzeuge durchdrungen. Es ist wichtig, dass in gastronomischen Betrieben die Anziehung beziehungsweise das Eindringen von Schädlingen durch geeignetes Verpacken der Le-bensmittel in geruchsdichte Gläser oder Dosen verhindert wird. Die Qualität und Halt-barkeit der Ware wird dadurch ebenfalls positiv beeinflusst.

3.1.2 Schädlingsfrüherkennung

Entdeckt man Schädlinge frühzeitig, kann der Befall noch mit geringem Aufwand und der Verwendung von wenigen Mengen chemischer Substanzen gestoppt werden und die oft explosionsartige Verbreitung mit allen schädlichen Folgen verhindert werden. Ein wertvolles Instrument, um Schädlinge zu erkennen, zu lokalisieren und zu überwachen, ist regelmäßiges Monitoring. Dabei gibt es verschiedene Methoden der Durchführung:

Visuelle Inspektion

Regelmäßige Inspektionen im gesamten Betrieb sind unerlässlich,um einen Befall festzustellen. Dabei sollte dies immer mit der nötigen Aufmerksamkeit geschehen. Dafür ist eine übersichtliche Lagerhaltung zu gewährleisten um diese Inspektionen zu ermöglichen.
Die Mitarbeiter eines Betriebes spielen dabei eine bedeutende Rolle. Es ist wichtig, diese anzuhalten, lebende Tiere, Kot, Nagespuren, Insektenteile nicht als selbstverständlich hin-zunehmen, sondern zu melden, damit der Gastwirt der Sache nachgehen kann, um nötige Schritte einzuleiten.

Sieben von pulverförmigen und kleinkörnigen Lebensmitteln

Lose Lebensmittel wie Tee, Linsen, Zucker, Salz und ganz besonders Mehl können durch das Sieben in regelmäßigen Abständen auf Schädlingsbefall untersucht werden. Mehlwürmer, Ameisen oder Schaben sind so leicht zu finden.

Trichter- oder Klebefallen

Durch dieses Monitorsystem werden Pheromone als Sexuallockstoffe eingesetzt. Diese Lockstoffe ziehen Männchen unweigerlich, sogar aus großer Entfernung an. Die Schädlinge bleiben auf den Klebestreifen hängen oder verenden in den Trichterbehältern und können so nachgewiesen werden.

Es ist jedoch zu beachten, dass Monitore einen Schädlingsbefall anzeigen, ihn auch bei entsprechender Fallenanzahl reduzieren, aber den Populationsanstieg nur kurzfristig ein-schränken und nicht aufhalten können.

3.2 Kosten einer Prophylaxe

Einer der wichtigsten Punkte der Schädlingsbekämpfung umfasst die Beratung der Kunden. Diese beginnt im günstigsten Fall schon beim Bau eines neuen Gebäudes. Hier kann schon im Vorfeld auf mögliche bauliche Besonderheiten aufmerksam gemacht werden, die sich auf einen späteren Befall durch Schädlinge begünstigend auswirken. Solche Beratungen können jedoch auch bei bereits bestehenden Gebäuden oder Produktionsstätten erfolgen. Die Eingrenzung und Beseitigung möglicher Schwachstellen, über welche Schädlinge in einen Produktionsablauf eindringen können, werden festgelegt.

Die Durchführung prophylaktischer Maßnahmen werden individuell auf jeden Betrieb abgestimmt und umfassen im Allgemeinen die Beratung, die Festlegung des Schutzberei-ches, die Durchführung des Monitoring sowie Zwischenarbeiten und vieles mehr. Oftmals bieten die Schädlingsbekämpfer auch interne Schulungen für das Personal an. Bestim-mungsfaktoren der Kosten sind beispielsweise die Größe des Betriebes und das Umfeld.

4 Praktisches Beispiel einer Präventivmaßnahme

Die praktische Umsetzung einer erfolgreichen Präventivmaßnahme lässt sich am Beispiel des Restaurants „W...“ aufzeigen. Das Restaurant mit Biergarten, 700 Quadratmeter Kinderspielplatz und Park hat jeweils 75 Sitzplätze im Innen- und Außenbereich und grenzt direkt an eine Kleingärtnersparte an. Desweiteren befindet sich im Garten eine Scheune und ein Verschlag, in denen Hühner und Hasen gehalten werden.
Der Eigentümer Herr E., setzte sich von Beginn an mit dem Thema Schädlinge und Gastronomie auseinander und sorgte schon Aufgrund des Umfeldes seines Betriebes vorbildlich für die Sicherheit seiner Gäste. Er leitete in Zusammenarbeit mit der Firma Sch..., Präventivmaßnahmen ein, die einen reibungslosen Ablauf seines gastronomischen Alltags gewährleisten. Da sich im Garten durch die angrenzende Kleingärtnersparte mit vielen Kompostierungsstellen und dem Fütterungsbereich der Zuchttiere ein erhöhter Risikobereich befindet, sind dort spezielle Köderstationen aus Aluminium aufgestellt, die so konstruiert sind, dass weder Kinder noch andere Nichtzielorganismen mit den Ködern in Berührung kommen können.
An den Fenstern der Küche wurden Fliegengitter angebracht und in der Küche selbst wird mit einer Blaulichtfalle gearbeitet.
Desweitern sind im gesamten Bereich um und im Restaurant, Lager und Kühlhaus Klebe-fallen an den Risikobereichen wie Kabelschächten, Feuchtzonen und im Müllraum angebracht. Zusätzlich sind an besonders kritischen Punkten Köderboxen verteilt, die regelmä-ßig aufgefüllt werden.
Alle 6 Wochen werden die Fallen von der Firma Sch... inspiziert und bei einem Befall werden weitere Maßnahmen eingeleitet. Die jährlichen Kosten belaufen sich für diesen Service pauschal auf ca. 1.500,-- € im Jahr. In dieser Pauschale ist das komplette Schäd-lingsmanagement des Unternehmens enthalten. Herr E. ist mit der Beratung und Arbeit der Firma sehr zufrieden und hatte seit der Eröffnung noch nie Probleme mit Schädlingen. Er ist sich sicher, dass die Kosten bei einem Befall durch die Risikolage seines Betriebes weit höher anzusetzen sind. Er rät jedem Gastronomen die nötigen Vorkehrungs-maßnahmen zu treffen und das Schädlingsmanagement genau wie Küche und Dienstleis-tung als eine unabdingbare Serviceleistung am Gast zu sehen.
Sein offener Umgang mit diesem Thema und der Erfolg seines Betriebes sind ein Zeichen dafür, dass Schädlingsmanagement offen kommuniziert werden kann, ohne negative Auswirkungen auf das gastronomische Geschäft zu haben.

5 Verursachte Schäden

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation belaufen sich die Verluste der Welternte, die durch vorratschädliche Organismen wie Insekten, Nager, Spinnen und andere Schädlinge verursacht werden auf etwa 10 bis 20 Prozent. Diese Verluste entstehen durch Vernichtung oder Verunreinigung der Vorräte.

Nahezu alle Lebensmittel sind durch Schädlinge gefährdet. Diese ernähren sich von ihnen, verursachen Fraßschäden und gleichzeitig Verschmutzungen durch Häutungsreste, Kot, Urin, Nagetierhaare oder auch durch verendete Tiere. Diese Rückstände gelten als hygieneschädlich und ekelerregend.

Fraßschäden
Gesamtmenge der Lebensmittel nimmt ab,

Selektionsfraß: Bestimmte Teile der Lebensmittel werden herausgefressen

Folgeschäden
Veränderung des Aussehens, Rückstände von Tieren können zur Geruchs- und Geschmacksbeeinträchtigung der Lebensmittel führen und diese ungenießbar machen, negative Beeinflussung der Backeigenschaft von Mehl

Veränderung und Abnahme des Stärke-, Vitamin- und Proteingehaltes,
Verderb Reduktion essentieller Aminosäuren, der Inhaltsstoffe Ranzigwerden durch Zunahme freier Fettsäuren

Gesundheitsschäden
Übertragung von Mikroorganismen (Pilzsporen und Bakterien) durch Fliegen, Schaben, Ameisen, Ratten, und Mäuse, Gesundheitsschäden wie Cholera, Pest, Salmonellose, Tuberkulose, Asthma können die Folge sein, Allergien der Atmungsorgane durch Kornkäfer (Bäcker-Asthma) und Getreidemotten

Verschmutzungen
Kot- und Urinablagerung in den Lebensmitteln, Tote Tiere und Reste,
Spinnfäden von Mottenrauben und Spinnen, Mäuse- und Rattenhaare

Wirtschaftliche Schäden
Imageverlust durch schlechte Presse, Strafzahlungen, Prozesskosten,
Konzessionsentzug und damit Verlust der Existenzgrundlage

6 Gastronomierelevante Schädlinge

Bevor man die Bekämpfung eines Befalls angeht, muss zunächst die Art des Schädlings sowie dessen Lebens- und Verhaltensweisen bestimmt werden. Für jede Schädlingsart müssen individuelle Bekämpfungsmittel und Methoden angewandt werden. Daher werden nachstehend die am häufigst vorkommenden Tiere kurz vorgestellt und erläutert, worauf bei einer Bekämpfung zu achten ist. Nur so ist es möglich sicher, gezielt und wirkungsvoll gegen sie vorzugehen.
Die Einteilung eines Schädlings in einzelne Gruppen ist problematisch, da Mäuse beispielsweise beim Verzehr von Lebensmitteln unter die Vorratsschädlinge fallen, durch Nagen an Kabeln oder Verpackungen Schäden hervorrufen, die sie zu Materialschädlingen machen, und wiederum durch ihre Rückstände wie Urin, Kot und Haare als Gesundheitsschädlinge eingegliedert werden.

6.1 Schaben als Gesundheits- und Hygieneschädlinge

Schaben, auch bekannt als Küchenkäfer, gehören zu den ältesten bekannten Insekten, sie sind das Synonym für Unsauberkeit und mangelnde Hygiene. Schon vor 350 Millionen Jahren bevölkerten sie mit zahlreichen Arten die Erde, von denen heute etwa 3500 Arten bekannt sind.
Sie wurden als blinde Passagiere durch transozeanische Verbindungen eingeschleppt und gelten als Kosmopoliten. Es gibt kein ein anderes Insekt, das es mehr verstanden hat, sich mit unseren Lebensbedingungen zu arrangieren.
Sie leben in unseren Kellern, in unseren Wohnungen, in Supermärkten, zwischen Obst, Gemüse und Fleischtheken, in Restaurants und Fabriken.

6.1.1 Schabenarten
6.1.1.1 Amerikanische Schabe / Periplaneta americana

Obwohl weltweit verbreitet, lebt sie vor allem in den wärmeren Ländern in Mitteleuropa und kommt bei uns viel seltener vor als die Küchenschabe.

Diese Art erreicht 27 bis 34 mm Körperlänge, wird aber insgesamt, durch die am hinteren Ende oft überstehenden Flügel, bis über 40 mm lang. Beide Geschlechter sind voll geflü-gelt. Die Grundfärbung ist hell rotbraun. Das Halsschild ist ringsum gelb umrandet.

Trotz ihrer gut entwickelten Flugorgane fliegt die Art sehr selten, meist nur bei hoher Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Sie ernährt sich außer von Abfallstoffen und Lebensmitteln auch von lebenden Pflanzen und findet dadurch im menschlichen Umfeld genügend Nahrungsquellen, um ihr Überle-ben zu sichern.

6.1.1.2 Orientalische Schabe; Gemeine Küchenschabe / Blatter orientalis

Ursprünglich war sie in Asien heimisch, ist heute aber weltweit verbreitet. Sie bevorzugt feuchte Lebensräume und kommt vor allem in älteren Gebäuden mit ausreichenden Versteckmöglichkeiten vor, aber auch außerhalb der Siedlungen auf Müllplätzen.

Die Orientalische Schabe ist fast schwarz. Ihre vielgliedrigen Fühler sind halb bis doppelt so lang wie der Körper. Sie besitzt einen deutlich abgeflachten Körper mit einem breiten Halsschild.

Die flugunfähigen Tiere können außerordentlich flink laufen.

Die Eier werden etwa 2 Wochen nach der Paarung vom Weibchen in einem Eikokon, der Oothek, abgelegt. Diese ist dunkelbraun gefärbt, 10-12 mm lang. Im Inneren enthält sie 12-18 Eier in zwei gegeneinander versetzten Reihen. Die Oothek hängt zunächst am Hin-terleib des Weibchens, wird aber meist schon nach wenigen Stunden an einer beliebigen Stelle abgelegt. Die ihren Eltern schon sehr ähnlichen Larven schlüpfen nach etwa zwei Monaten durch eine Reißnaht am oberen Rand des Eipakets. Sie entwickeln sich nach 7-10 Häutungen in 4-10 Monaten zur Imago, dem ausgebildeten Insekt.

6.1.1.3 Deutsche Schabe; Hausschabe / Blattella germanica

Sie stammt ursprünglich aus Südasien und ist heute weltweit in den Städten zu finden. In Mitteleuropa ist sie durch verbesserte Hygienebedingungen und moderne Bauweise längst nicht mehr so verbreitet wie noch vor einigen Jahrzehnten.

Diese Schabenart erreicht 10-13 mm Körperlänge. Ihre Grundfärbung ist gelbbraun bis hell rötlich. Das Halsschild trägt oben zwei dunkle Längsstreifen. Die Flügel sind bei bei-den Geschlechtern voll entwickelt.

Die hellbraune Oothek enthält durchschnittlich etwa 30 Eier und wird bis kurz vor dem Schlüpfzeitpunkt getragen mit einer Tragezeit von etwa 25-27 Tagen.

6.1.2 Lebensweise und Fortpflanzung

Schaben sind wärmeliebend und kommen normalerweise im Freien nicht vor. Sie bevorzugen warme, feuchte Verstecke mit Temperaturen von über 25°C und 60% Luftfeuchtigkeit. Dabei sind kleine und enge Ritze am attraktivsten für die Schaben. Typische Verstecke sind Kühlaggregate und Heizungen, wo sich feuchte, subtropische Wärme befindet.
Eine Schabe kann zwei Wochen ohne Wasser und Nahrung auskommen. Im Allgemeinen sind Schaben Allesfresser und als solche außerordentlich genügsam. In erster Linie besteht ihre Nahrung aus Küchenabfällen, notfalls leben sie von reinem Zellstoff und Papier.

Sie führen eine nachtaktive Lebensweise. Am Tag umherlaufende Schaben charakterisieren in der Regel einen sehr starken Befall:

Wenn alle Verstecke besetzt sind, quellen diese aufgrund des hohen Befallsdrucks heraus, auf der Suche nach geeigneten Schlupf-winkeln.
Ihre Reaktionsfähigkeit macht Schaben nahezu unangreifbar und sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sowie ein Lichtstrahl auf die kurzsichtigen Komplexaugen fällt, ergreifen die Schaben sofort die Flucht und verkriechen sich in den engen Ritzen.
Sie können 130 cm pro Sekunde mit ihren sechs Beinen rennen und besitzen darüber hinaus eine sehr ausgeprägte Sensibilität gegenüber Erschütterungen. Schaben sind dem menschlichen Widersacher um das 10.000-fache überlegen.
Wissenschaftler rechnen damit, dass sie uns aufgrund ihrer Überlegenheit und Resistenz eines Tages überleben werden.

Ein geringer Schabenbefall bleibt zunächst unbemerkt, bis die Population plötzlich rasant ansteigt. Die Fortpflanzungsfähigkeit dieser Insekten ist für uns Menschen unvorstellbar. Theoretisch besteht unter idealen Bedingungen die Möglichkeit, das 1 Weibchen der Deutschen Schabe in 5 Generationen, also in 1 1/2 Jahren über 100 Milliarden Nachkom-men haben kann. Genug um etwa 100 Fußballfelder fußhoch zu bedecken.

6.1.3 Schäden

Schaben sind Allesfresser und gehen auch an organisches Material aller Art, wie beispielsweise Gewebe, Leder und Papier. Feuchte, weiche, auch faulende Lebensmittel und Stoffe werden am liebsten aufgenommen.
Bedingt durch ihre vielfältige und nicht gerade wählerische Ernährungsweise überlaufen sie unzählige Flächen, welche mit Kot und sonstigen Körperausscheidungen und ihrer pu-ren Anwesenheit kontaminiert werden.
Unzählige Bedarfsgegenstände und Nahrungsmittel werden verunreinigt. Dies führt zur Verbreitung von Fäulniserregern und Krankheitskeimen wie Milzbrand, Salmonellen und Tuberkulose. Zudem sind Schaben als Zwischenwirte für einige Wurmarten sowie als Verschlepper von Wurmeiern, insbesondere von Band-, Spul-, Maden-, Haken- und Peit-schenwürmer bekannt. Bei entsprechendere Befallsintensität können sie auch zu Allergien und asthmatischen Beschwerden führen.

Die Verbreitung von Mikroorganismen erfolgt bei Schaben auf zwei Wegen. Die Keime haften an der Körperoberfläche und gelangen dadurch überall dorthin, wo sich die Schaben befinden. Begünstigt wird dieser Weg dadurch, dass Schaben engen Kontakt zu ihren Artgenossen pflegen. Somit breiten sich Keime innerhalb der Population schnell aus.
Für den zweiten Übertragungsweg nehmen Schaben Mikroorganismen mit der Nahrung auf. Diese vermehren sich während der Verdauung und werden mit erbrochenem Vormageninhalt und Kot ausgeschieden.

Durch Schaben können Betriebsstörungen entstehen, wenn sie beispielsweise in Schaltungen, Steueranlagen oder Relais eindringen. In Hamburg wurde so ein Fernmeldeamt außer Betrieb gesetzt.

6.1.4 Bekämpfung

Bei einem Schabenbefall müssen die Bekämpfungsmaßnahmen möglichst schnell eingeleitet werden, sodass eine Weiterverbreitung und Massenvermehrung verhindert wird.
Unbedingt zu beachten ist die Zuordnung der Schabenart, da die Nachkommen auf verschiedene Arten zur Welt kommen und diese unbedingt mit bekämpft werden müssen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass ihre Eier wegen ihre Chitinhülle sehr widerstandfähig gegenüber Bekämpfungsmitteln sind.
Dass den Schaben so schlecht beizukommen ist, verdanken sie ihrem platten Körperbau. Die Tiere zwängen sich im Notfall in jede Ritze. In der Füllung der Kühlschranktür und der Gefriertruhe kann man ebenso fündig werden wie in den Spalten der Wandverkleidung.

6.2 Nagerschädlinge

Probleme mit Ratten und Mäusen gibt es auf der ganzen Welt. In unseren Breitengraden tummeln sie sich besonders gerne in Bereichen mit Versorgungsschächten und Kanälen, in Parks und Gärten, denn hier finden sie ideale Lebensbedingungen.
Große Vorratslager und fehlende natürliche Feinde sorgen für eine starke Population. In vielen Städten der Welt leben mehr Ratten als Menschen.
Obwohl Ratten als auch Mäuse zur Familie der Nager gehören, haben sie jedoch nur eins gemeinsam – ihre Schadwirkung. Ansonsten sind sie in Verhalten, Fraßgewohnheiten und Lebensweise grundverschieden. Dieser Unterschiede spielen bei der Bekämpfung eine entscheidende Rolle.

6.2.1 Hausmaus / Mus musculus

Die Hausmäuse stammen ursprünglich aus den Steppen- und Halbwüstengebieten Nordwestafrikas, Spaniens und Ostasiens. Dort findet sie die feuchtwarmen klimatischen Bedingungen die Ihren bevorzugten Lebensraum ausmachen.
In Europa besiedeln Hausmäuse überwiegend Gebäude, bevorzugt werden gedämmte Hohlwände, Kabeltanks oder die Dämmung eines Daches. Für die Eroberung eines Gebäudes nutzten sie gerne die vorhandenen Rohleitungssysteme und Kabelstränge. Sie können sich gut an verschiedene Lebensbedingungen anpassen. Als ursprüngliches Steppentier benötigt sie wenig Feuchtigkeit und findet in nahezu allen Gegenden einen geeigneten Unterschlupf.

6.2.1.1 Aussehen

Hausmäuse werden bis 30 Gramm schwer und erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 6 bis 9 cm. Das weiche Fell hat eine graubraune Färbung. Der Schwanz überragt mit 7 bis 10 cm die Körperlänge nur geringfügig. Der Kopf ist durch eine spitze Schnauze und gro-ße, leicht behaarte Ohren gekennzeichnet. Hausmäuse können mit den kleinen Augen schlecht sehen und sind farbenblind. Geruchs- und Tastsinn sowie Hörvermögen sind sehr gut entwickelt, außerdem sind sie sehr gute Kletterer und Schwimmer.

6.2.1.2 Entwicklung

Hausmäuse haben eine Lebenserwartung von 9 bis 18 Monaten und können das ganze Jahr über Junge bekommen, welche bereits 35 Tage nach der Geburt geschlechtsreif sind. Pro Jahr sind 8 Würfe mit durchschnittlich 6 Jungen möglich, die nackt und blind ge-boren werden. Die Tragezeit liegt bei 19 Tagen und die Jungen bleiben 3 bis 4 Wochen im Nest. Unter günstigen Bedingungen kann sich die Anzahl der Tiere in 9 Monaten um das Fünfzehnfache erhöhen. Dies hängt von mehreren Einflüssen wie ausreichenden Nah-rungsquellen, und klimatischen Lebensbedingungen ab.

6.2.1.3 Lebensweise und Verhalten

Ihr Lebensraum hat einen kleinen Aktionsradius von meist nur 3 bis 5 Metern. Sie entwi-ckeln in der Dämmerung und in der ersten Nachthälfte eine große Aktivität und halten sich tagsüber meist in ihren Schlupfwinkeln verborgen. Im Gegensatz zu Ratten können Mäuse fast jeden Bereich eines Gebäudes auf Grund ihrer kleinen Körpergröße erreichen.
Für sie sind Spalten von ca. 6mm groß genug, um hindurchschlüpfen zu können. Die Futteraufnahme erfolgt auf dieser Fläche in kleinen Portionen an mehreren Stellen. Futter, das außerhalb des Aktionsradius eines Mäuserudels liegt, wird von den Tieren nicht angenommen. Dies ist ein Faktor, der bei der Beköderung von Hausmäusen ein wesentlicher Bestandteil ist. Zusätzlich ist sie durch ihre erhöhte Vorsicht auch mit herkömmlichen Schlagfallen schwer zu fangen.
Was das Fressverhalten anbelangt, ist die Hausmaus zu den „Naschern“ zu zählen. Dieser kleine Allesfresser, bevorzugt als Nahrung Getreide und getreidehaltige Produkte, aber auch fetthaltige Lebensmittel. Eine ausgewachsene Maus nimmt täglich 3-4 g dieser Nahrungsmittel zu sich. Der Flüssigkeitsbedarf wird in der Regel durch das aufgenommene Futter abgedeckt. Hausmäuse fressen ihr Futter an Ort und Stelle und tragen es nicht in ihren Bau ein. Sie kommunizieren überwiegend über ihren Geruchsinn. Die Reviere wer-den mit Harn markiert. An stark belaufenen Stellen bilden sich in Verbindung mit Staub deutlich sichtbare Spuren, außerdem können sie sehr gut klettern, schnell laufen und schwimmen.

6.2.2 Ratten

Diese durchaus intelligenten Lebewesen, haben sich zumindest was ihr Sozialverhalten und ihre Sauberkeit anbelangt, fast allen von uns Menschen beanspruchten Lebensräumen angepasst und waren zu vergangenen Zeiten Auslöser und Überträger von Epide-mien wie Cholera und Pest.
6.2.2.1 Hausratte; Dachratte / Rattus rattus

Die Hausratte gelangte erst in frühgeschichtlicher Zeit aus Indien, möglicherweise über Afrika, nach Europa. Sie breitete sich stark aus und besiedelte zunehmend den ganzen süd- und mitteleuropäischen Raum. Diese ehemaligen Baumbewohner fühlen sich in menschlichen Behausungen samt Nebengebäuden wie Scheunen und Ställen wohl und bewohnen meist das Gebälk von Dachstühlen, wo sie auch ihre Nester bauen. Außerdem finden sie auch auf Schiffen und Getreidespeichern ideale Lebensräume.

6.2.2.1.1 Aussehen

Sie misst von Kopf bis Rumpf 15-23 cm und der Schwanz hat eine Länge von 17-25 cm. Er ist stets etwas länger als der Körper. Das Gewicht beträgt 140 bis 200g. Ihre spitze Schnauze, ihr nackter, langer und dünner Schwanz und ihre sehr großen unbehaarten Ohren sind charakteristisch für diesen Nager. Die Fellfärbung des Haarkleides ist sehr un-terschiedlich. Schwarzgrau bis graubraun. Die langen Grannenhaare ragen auf dem Rü-cken aus dem Fell und verleihen der Hausratte ein struppiges Aussehen. Ihre Bauchseite ist etwas heller gefärbt.

6.2.2.1.2 Entwicklung

Fast das ganze Jahr über gibt es trächtige Weibchen. Sie bringen durchschnittlich sieben Junge zur Welt, die nach 3 Monaten selbst fortpflanzungsfähig werden. Die Tragezeit be-trägt 21-23 Tage mit 6-7 Jungen pro Wurf. Dies kann drei- bis fünfmal im Jahr geschehen. Die Wurfgröße- und Häufigkeit wird stark von der Siedlungsdichte beeinflusst. Sie nimmt mit zunehmender Dichte ab. Ihre Lebenserwartung beträgt ungefähr ein Jahr.

6.2.2.1.3 Lebensweise und Verhalten

Sie hält keinen Winterschlaf und ist zu jeder Tageszeit aktiv und bevorzugt allerdings die Dämmerung und Dunkelheit. Hausratten treten selten einzeln auf und bilden in der Regel Gruppen zwischen 20 und 60 Tieren.
Hausratten benutzen feste Laufwege, die in Gebäuden schnell sichtbar werden. Hier bringen sie, zur Kommunikation, Geruchsmarkierungen an. Sie errichten keine Erdbauten, sondern legen ihre Nester meist im Dachgebälk, in Nischen oder Hohlräumen der Böden an.
Sie Können schnell laufen, weit springen und sehr gewandt klettern. Sogar an ziemlich glatten Wänden können sie durch die Beschaffenheit ihrer Gliedmaßen emporklettern.

Der Speisezettel der Hausratten umfasst alle möglichen Nahrungsstoffe, doch überwie-gend pflanzliche Kost und im besonderen Früchte.

6.2.2.2 Wanderratte; Kanalratte / Rattus norvegicus

Die genaue Herkunft ist nicht geklärt, es wird vermutet, dass sie aus Ostasien (China) stammt. Im 18. Jahrhundert erfolgte die Haupteinwanderung durch die Schifffahrt. Sie besiedelt die Kanalisationssysteme sowie Keller, Gewölbe und die Ufer von verschmutzten Gewässern. Sie ist äußerst anpassungsfähig und kommt leicht und unentdeckt in den Lebensbereich der Menschen, indem sie durch Rohre und Leitungen klettert.

6.2.2.2.1 Aussehen

Sie misst von Kopf bis Rumpf 20-28 cm, der dicke, dünn behaarte Schwanz ist 17-23 cm lang, Gewicht 250 bis 580 g. Ihre Ohren sind groß, aber etwas kleiner als diejenigen der Hausratte und mit Flaumhaar besetzt. Sie ist deutlich größer und kräftiger als die Hausrat-te. Ihre Fellfarbe ist braungrau bis rötlich-braun mit schmutziger weißer Unterseite. Auch fast schwarze oder fahlfarbene Exemplare kommen vor.

6.2.2.2.2 Entwicklung

Sie weisen mit 5-26 Jungen eine sehr hohe Nachwuchsleistung auf. 7-8 Würfe im Jahr sind bei der Wanderratte keine Seltenheit. Ihre Tragezeit beträgt gut drei Wochen.

6.2.2.2.3 Lebensweise und Verhalten

Die Tiere ordnen sich anders wie bei der Hausratte in Familienverbände und eine klare soziale Hierarchie ein. Die Familienmitglieder erkennen einander am gemeinsamen Sippengeruch.
Wanderratten bevorzugen die Dämmerung zur Futtersuche. Sie legen ausgedehnte Gangsysteme an Gewässerufern oder in Müllhalden an, mit Wohnkammern die mit Blättern, Papier, Pflanzenfaser oder Wolle warm ausgepolstert sind.
Sie laufen rasch und geschickt, klettern aber nicht so geschickt wie die Hausmaus. Allerdings schwimmen sie meisterhaft, tauchen und führen ziemlich weite Sprünge aus.

Diese Allesfresser finden unsere Vorräte und Nahrungsmittel, unsere Abfälle genauso verlockend wie die Jagd auf lebende Tiere (Vögel, Mäuse, Insekten). Sie ernähren sich jedoch bei fehlenden Nahrungsquellen auch von Aas.

6.2.3 Schäden

Mäuse und Ratten verunreinigen durch Kot, Urin und bloßes Überlaufen Lebensmittel und Bedarfsgegenstände. Sie übertragen dabei Krankheiten jeglicher Art und bieten vielen Keimen die optimalen Vermehrungs- und Ausbreitungsmöglichkeiten. Gerade die Haus-maus ist auf Grund ihrer Lebensweise ein gefährlicher Gesundheitsschädling. Sie nascht und knabbert an den verschiedensten Stellen von Lebensmitteln und Materialen während ihres Streifzugs über Flächen und Bedarfsgegenstände. Dabei entstehen nicht nur Vor-rats- und Materialschäden, sondern sie hinterlässt in sechs Wochen rund 10.000 Kotbäll-chen und rund ¼ Liter Urin, der in feinen Tröpfchen hauptsächlich während des Fressens direkt auf die Lebensmittel abgesetzt wird.

Bei sozialem Kontakt, beim Aufsuchen anderer Nahrungsquellen oder auch nur beim Um-herstreunen sammeln die Tiere mit Fell und Pfoten Mikroorganismen ein. Darunter befin-den sich auch solche, die nach dem Eintrag in Lagerbestände für erhebliche Verluste sor-gen können. Zu ihnen gehören unter anderem Pilze oder Milben.

Sie können zur Gefahr für die Gesundheit des Menschen werden. Jedes Gramm Kot und jeder Tropfen Urin können Erreger enthalten, die zum Ausbruch einer Krankheit oder Seuche führen können. Aus diesem Grund ist die Schadnagerbekämpfung fester Bestandteil in jedem Hygienemanagement der Lebensmittelproduktion. Wobei Ratten nach dem Infektionsschutzgesetz bekämpfungspflichtig sind. Krankheitserreger wie Salmonellen können durch Exkremente, Sekrete, Kadaver und auch durch direkten physischen Kontakt übertragen werden.

Ratten und Mäuse besitzen zwei Paar Schneidezähne, die kontinuierlich nachwachsen. Typische Nageschäden finden sich an Säcken, Kartons und Verschalungen, aber auch an elektrischen Kabeln und Kommunikationssystemen. Brände und Produktionsausfall können die Folge sein.

Kleine Haustiere können von den Wanderratten angefallen werden.
Mäuse und Ratten übertragen Krankheiten auf Mensch und Vieh. Zu den häufigsten gehö-ren Typhus, Cholera, Ruhr, Pest, Tuberkulose, Lyme-Borreliose, Maul- und Klauenseuche, Schweinepest, Rattenfieber, Sammonellosis, Walscheskrankheit und Fleckfieber.

6.2.4 Bekämpfung

Laufwege, Nagerspuren beispielsweise an Getreide, Kotansammlungen und klebrige Urinspuren sind Anzeichen für einen Befall. Bei mangelnder Belüftung ist in befallenen Räumen ein deutlicher Geruch wahrnehmbar.

Mäuse und Ratten legen ihren Kot auf Wegen und besonders an ihren Fraßplätzen ab. An diesen Stellen sollten nach Möglichkeit, also innerhalb des Aktionsradius, Köderstellen eingerichtet werden.
Anhand der Köder in den Stationen (zum Beispiel Pellets oder Paste) lassen sich schon die kleinsten Fraßspuren leicht nachweisen. Daher ist diese Methode auch sehr gut für das Monitoringsytem geeignet. Köderstationen gibt es aus Kunststoff, Holz, Metall oder Pappe, welche je nach Notwendigkeit eingesetzt werden.
Wie in der Mäusebekämpfung ist auch bei Ratten die Annahme des Köders Voraussetzung für den Erfolg.
Der Köder muss frisch und attraktiv sein. Wenn nur eine Nahrungsquelle im Revier der Tiere zu finden ist, entwickeln sie eine starke Präferenz, was unbedingt bei der Art der Kö-der berücksichtigt werden muss.

Ratten haben ein großes Misstrauen gegenüber jeder Veränderung in ihrem Lebensraum. Sie sind sehr skeptisch und prüfen vorsichtig. Negative Erfahrungen breiten sich im Rudel schnell aus, was ein Problem bei Akkutgiften, mit schnell einsetzender Wirkung, darstellt. Das Rudel ist über die Gefahr informiert und es entsteht Köderscheu. Diese Verhalten muss mit einem Rodentiziet vermieden werden. Dieses Mittel wird nicht als Gefahr er-kannt, ist vollkommen geschmacklos und geruchsfrei. Die Wirkung wird schrittweise durch mehrmaliges Aufnehmen des Köders verstärkt, wodurch die Ursache des Todes nicht auf den Köder zurückgeführt werden kann. Die Ratte endet ohne Anzeichen von Schmerzen, stirbt an inneren Verblutungen.
Ein einmaliges Aufnehmen dieser Mittel hat keine so große Auswirkung als mehrmalige Aufnahme in kleineren Mengen.
Die Köderstationen müssen unbedingt so lange überprüft und aufgefüllt werden, bis kein Fraß mehr festzustellen ist.

Leimfallen und Klebefallen zur Bekämpfung von Wirbeltieren wie Nagerschädlinge sind in Deutschland aus tierschutzrechtlichen Gründen verboten.
Vereinzelt auftretende Hausmäuse können jedoch mit herkömmlichen Fallen vom Fach-handel gefangen werden.

6.3 Die Pharaoameise als Gesundheits- und Hygieneschädling
Monomorium pharaonis

6.3.1 Herkunft und Lebensweise

Die ursprünglich aus Südostasien stammende Ameise wurde durch den Warenverkehr verschleppt, hat sich aber Mitte des letzten Jahrhunderts weltweit verbreiten können. In den Heizungsräumen der Ozeandampfer fand sie ideale Reisebedingungen vor. Auch bei uns, vor allem in Städten, trifft sie paradiesische Verhältnisse an. Diese winzige Art nistet sich überall auf der Welt in den Häusern der Menschen ein.
Außer Krankenhäuser werden auch Großküchen, Bäckereien und Hallenbäder von ihnen heimgesucht. Man findet sie in der Nähe von Radiatoren, im Innern von Mauern geheizter Räume, selbst in Computergehäusen und im Isolationsmaterial von Stromleitungen.
In Mitteleuropa können sie sich im Freien nicht halten, sondern sind auf die Wärme in Bä-ckereien, Küchen und anderen zentralbeheizten Räumen angewiesen.

6.3.1.1 Aussehen

Die Arbeiterinnen sind bernsteingelb bis rötlichgelb mit etwas dunklerer Hinterleibsspitze und ca. 2-2,5 mm lang. Die Königin ist ca. 3,5-4,8 mm und die Männchen sind ca. 2,8-3 mm lang. Sie sind wesentlich kleiner als normale Ameisen und von den Hausameisen durch ein zweiknotig aussehendes Verbindungsstück zwischen Brust und Hinterleib zu unterscheiden.
Gerade wegen ihrer geringen Körpergröße, ihre unauffälligen Färbung und der versteckten Nestanlage, bleibt ein Befall von Pharaoameisen lange unentdeckt. So winzig diese Art auch sein mag, dennoch gehen von ihr große, gesundheitliche Gefahren aus.

6.3.1.2 Entwicklung

Die Kolonie kann von einige Hunderttausend bis zu einigen Millionen Individuen umfassen. Sie enthält mindestens drei, meist mehrere hundert Königinnen. Diese lebt ca. 1 Jahr. Ar-beiterinnen 2-3 Monate und die Männchen 2-5 Wochen. Die Entwicklungszeit der Nach-kommen liegt in etwa bei 37-41 Tage.
Dabei sind Kolonien mit mehr als 1000 Königinnen durchaus keine Seltenheit (Superkolo-nie). Durch die große Anzahl von begatteten Königinnen haben sie das Potenzial zur Un-sterblichkeit. Von der Gründung einer Kolonie bis zu ersten Sichtung durch den Menschen vergeht in der Regel eine Zeit von vier bis sechs Jahren. Unter für die Ameisen günstigen Bedingungen kann diese Zeit auch bis zu zehn Jahre dauern. Während dieser Zeit haben sich die Kolonien innerhalb des Gebäudes etabliert und sich ihre ökologische Nische ge-schaffen, aus welcher sie nur schwerlich zu vertreiben sind.

6.3.1.3 Lebensweise und Verhalten

Aufgrund ihrer Größe können sie überallhin gelangen. So findet man sie in Elektrogeräten, kleinsten Mauerspalten, in Kühlschränken, medizinischen Geräten und auch unter den Verbänden von Patienten. Ihr Nest befindet sich irgendwo in einem Versteck, und von diesem aus unternehmen sie in langen Kolonnen ihre Streifzüge durch große Teile des Gebäudes.
Pharaoameisen bevorzugen warme und feuchte Orte. Ihre Nester sind immer in engen Ritzen, Fugen, Spalten, Risse und Hohlräume (hinter Fliesen, zwischen Wänden, unter Fußböden, warme Leitungsschächte etc.) Sind ihre Nester zu groß, werden neue Kolonien mit Königin und Arbeiterinnen gegründet (Satellitennester).
Dadurch entstehen viele Zweignester im Mauerwerk, wodurch die Bekämpfung erschwert wird. Im Freien kann diese Ameisenart bei uns nicht überleben. Sie benötigt Temperaturen von mindestens 20°C, um sich überhaupt vermehren zu können.

Aufgrund ihrer Ernährungsweise kann es zu erheblichen Verkeimungen kommen. Ihr Nah-rungsbedarf ist quantitativ gesehen minimal. Sie ist ein typischer Allesfresser, bevorzugt aber Süßes wie Früchte, Konfitüre, Schokolade und eiweißreiche Kost wie Insekten und Fleisch. Die Anzahl der Ameisen wächst jeweils proportional zum Nahrungsangebot.

6.3.2 Schäden

Pharaoameisen brauchen zum Füttern ihrer Larven eiweißhaltige Speisen wie Fleisch, Eier, Käse oder auch Blut. Nichts ist vor ihnen sicher, dabei werden sehr leicht Keime ü-bertragen. Sie sind besonders in Krankenhäusern gefürchtet, weil sie auch mit Vorliebe gebrauchtes Verbandsmaterial verzehren und sich unter diesen idealen Lebensbedingun-gen rasant ausbreiten können. Außerdem sind die Tiere extrem widerstandsfähig gegen-über den meisten Bekämpfungsmaßnahmen, was ihre Vernichtung natürlich erschwert.

Als Überträger von Salmonellen, Staphylokokken und Clostridien sind sie gefährliche Le-bensmittelverderber und Keimüberträger.

6.3.3 Bekämpfung

Diese Ameisenart ist sehr schwierig zu beseitigen, weil ihre Nester sehr zahlreich und gut verborgen sind. Außerdem ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten (Auftraggeber, Mitarbeiter, Schädlingsbekämpfer) äußerst wichtig. Eigenmächtige Handlungen müssen unterlassen werden, es kann sonst zu Panik und Schockreaktionen der Ameisen kommen. Sie geben dabei ein Alarmpheromon in die Luft ab und informieren die Kolonie über die Gefahr, was zu einer Spontanteilung des Nestes führt und die Bekämpfung noch mehr erschwert.
Meist hat der Kunde keine Ahnung über die Biologie und das Verhalten der Tiere, daher muss gerade bei den Pharaoameisen über diese Eigenschaften aufgeklärt werden, um eine effektive Schädlingsbekämpfung zu gewährleisten.

7 Systematische Vorgehensweise bei einer Bekämpfung

Um eine erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahme durchzuführen, sind folgende wichtige Punkte zu berücksichtigen. Die Grundkenntnisse der Lebensweise der Zielorganismen und Wirksamkeit von Bekämpfungsmitteln sind Voraussetzung.

Unerlässlich für die qualifizierte Ausführung eines Auftrages ist die Bewertung des Befalls und die Abstimmung der zu ergreifenden Maßnahmen in Abhängigkeit des Befundes.

7.1 Befallsermittlung

Während einer Befallsermittlung wird festgestellt, um welche Art von Schädling es sich handelt. Dies herauszufinden ist sehr wichtig, da speziell auf diesen Schädling die Methode der Bekämpfung abgestimmt und die in Frage kommenden Bekämpfungsmittel festgelegt werden müssen. Jedes Tier hat andere Verhaltens- und Lebensweisen, die berücksichtigt werden müssen, um eine erfolgreiche Bekämpfung durchzuführen.

Der Umfang des Befalls muss durch visuelle Aufnahme festgestellt werden. Die vermeintlich befallenen Stellen werden kontrolliert und in unübersichtlichen Bereichen werden Fallen in der Nähe der Schlupflöcher aufgestellt, die nach der Aktivperiode der Schädlinge untersucht werden müssen.

Lebende oder tote Tiere, Nagerschäden, Trittsiegel, Kotpartikel, Laufwege können Anga-ben über das Ausmaß eines Befalls geben. Man sieht, wo die Schwerpunkte der Bekämp-fungsaktion liegen und welche Köderarten in welchen Mengen erforderlich sind.

Wichtig bei Mäusen und Ratten ist die Vermeidung von Veränderungen und Reinigungs-maßnahmen im Befallsbereich, da dies die Tiere verunsichert und skeptisch macht.

7.2 Bekämpfungsvorbereitungen

Gewinnen von Informationen über das Befallsobjekt (Größe, Lage) sollte der erste Schritt der Vorbereitung sein. Dann müssen die Ursachen des Befalls ermittelt werden. Gab es schon frühere Maßnahmen und waren sie erfolgreich? Sehr wichtig sind auch Kenntnisse über die verwendeten Mittel, die schon bei vorherigen Maßnahmen einge-setzt wurden.

Ein schriftlicher Bekämpfungsplan wird erarbeitet, in dem die Methoden und Verfah-ren der Bekämpfung, die Mittel, sowie der Zeitpunkt und die Dauer und spezielle Sicherheitsvorkehrungen auflistet werden. Darunter fällt auch die Aufklärung der Betrof-fenen über Wirkungsweise der Mittel und Maßnahmen bei der Anwendung sowie über eventuelle Risiken für Kinder, Menschen und Haustiere. Qualifizierte Schädlingsbe-kämpfer werden den Kunden während und bei Abschluss der Maßnahmen immer über die eingesetzten Mittel und die Mengen schriftlich informieren. Sie tun dies im Rahmen ihrer Dokumentationspflicht. Hierzu zählen auch die Protokolle im Rahmen des HACCP-Konzepts und der Lebensmittel Hygiene Verordnung (LMHV) für Lebensmit-telverarbeitende Betriebe.

Vor der Bekämpfung muss eine gründliche Reinigung der Räume erfolgen, um den Schädlingen mögliche Nahrungsquellen zu entziehen, denn nur dann kann effizient gegen sie vorgegangen werden.

7.3 Bekämpfung

Der Kunde hat immer und zu jeder Zeit das Recht auf eine lückenlose Information. Ein gewissenhafter Schädlingsbekämpfer wird den Kunden stets so informieren, dass dieser die Sachlage und die erforderliche Bekämpfungsmaßnahme vollkommen verstehen und nachvollziehen kann. Dies gilt selbstverständlich auch für mögliche Risiken.
Unerlässlich für die qualifizierte Ausführung eines Auftrags ist die Bewertung des Befalls und die Abstimmung der zu ergreifenden Maßnahmen in Abhängigkeit des Befundes.
Die Bekämpfung muss stets unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben als auch der Verhältnismäßigkeit im Umgang und im Einsatz der Mittel durchgeführt werden. Neue und für den Mensch und Umwelt schonende Mittel müssen hier vorrangig eingesetzt wer-den. Zwar sind Schädlingsbekämpfer per Gesetz dazu verpflichtet einer ausführlichen Er-mittlung nachzukommen und das Mittel mit der geringsten toxikologischen Wirkung für Mensch und Umwelt zur Tilgung des Befalls einzusetzen, jedoch wird dieser Verpflichtung nicht immer mit größter Sorgfalt nachgekommen.
Als ein grundsätzliches Qualitätsmerkmal ist die bestandene Prüfung zum IHK-geprüften Schädlingsbekämpfer zu sehen.

7.4 Erfolgskontrolle und weitere Maßnahmen

In Abhängigkeit von der Wirkungsweise des eingesetzten Präparates ist in ange-messener Zeit nach jeder Behandlung eine Erfolgskontrolle durchzuführen. Bei unzureichendem Bekämpfungserfolg muss eine Ermittlung der Ursache stattfinden. Zum Beispiel kann der Schädling gegen die ausgebrachten Mittel resistent sein oder er nimmt den Köder nicht an, weil dieser unattraktiv für ihn ist.

Entfernung und Vernichtung toter Schädlinge und deren Überreste liegt ebenfalls im Aufgabenbereich des Fachmanns.

Beratung über befallsvorbeugende Maßnahmen werden unter Punkt 3, Prophylaxe als vorbeugende Maßnahme, beschrieben.

8 Bekämpfungsverfahren

Schädlingsbekämpfung ist prinzipielle nicht gleichzusetzen mit (harten) Waffen, denn manchmal geht es auch mit dem Besen. Mittel sollten nicht um jeden Preis ausgebracht werden, sondern eine Schädlingsbekämpfung sollte zielsicher, wirtschaftlich und erfolgreich sein. Dabei gibt es keine Norm, sondern man muss je nach Größe des Betriebes, nach Stärke des Befalls und Umgebung individuell ködern. Es gibt beispielsweise Kunden, die unbedingt darauf beharren, biologische Bekämpfungsmittel einzusetzen und im nach-hinein stellt sich heraus, dass Betroffene allergisch auf bestimmte biologische Mittel rea-gieren. Daher ist es wichtig, dass der Kunde Vertrauen zu seinem Schädlingsbekämpfer aufbaut wobei, Nähe und Persönlichkeit wesentliche Faktoren sind. Miteinander arbeiten und nicht gegeneinander ist daher eine wichtige Devise.

8.1 Physikalische Verfahren

Die physikalische Bekämpfung macht sich physikalische Gesetzmäßigkeiten zu nutze. Schadorganismen werden durch Hitze, Kälte, Strahlung oder mechanische Einwirkungen getötet. Beispiele hierfür sind unter anderem:

Kälte
-Kühlen des Lagers auf 10-15 °C
-Durchfrieren des leeren Lagers (Winter)

Mechanisch
-Einsatz von Prallmaschinen, das Lagergut trifft in großer
Geschwindigkeit auf, Eier und Larven werden zerstört
-Einsatz von Gebläsen, Trennen von Lagergut und Schädlingen

8.2 Biologische Verfahren

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz lebender Organismen gegen Vorratsschädlinge. Natürlich vorkommende Feinde werden gezüchtet und im Lager freigesetzt. (Katz und Maus)

Beispielsweise können Schlupfwespen (Trichogramma) gegen Motten eingesetzt werden. Sie parasitieren ihre Larven in den Motteneiern und bringen diese zum Absterben.

Der Nachteil bei diesem Verfahren liegt darin, das die Bekämpfung mit Befallsbeginn ein-setzen muss, damit die nutzbringenden Insekten die Menge des Befalls noch regulieren können. Des weiteren ist zu beachten, dass die durch die Nützlinge entstandenen Aus-scheidungen nicht für eine Verunreinigung sorgen.

8.3 Biotechnische Verfahren

Natürliche biologische Prozesse werden nachgeahmt. Beispielsweise werden Pheromone und andere Lockstofffallen eingesetzt, sowie Gelbschalen oder –tafeln aufgestellt werden. Die Schädlingszahl kann durch die Fänge reduziert werden, was allerdings bei einem fort-geschritten Stadium eines Befalls nicht mehr möglich ist. Diese Verfahren setzt man hauptsächlich beim Monitoring ein.

8.4 Chemische Verfahren

Anwendung von Bekämpfungsmitteln mit insektizider, acarizider, fungizider und rodentizider Wirkung und bioziden Gasen.

Natürlich besteht die Möglichkeit, leere Lagerräume oder das Lagergut selbst zu behan-deln, jedoch sollte die vorgeschriebenen Einwirk- und Wartezeiten unbedingt eingehalten werden.

Die Ausbringungstechnik umfasst verschiedene Verfahren, wie beispielsweise das Spritz-, und das Nebel-Verfahren.

Unabhängig davon welches Verfahren Anwendung findet, ist es wichtig, dass ein Befall schnellst möglich bekämpft werden muss. Denn je schneller die Bekämpfung erfolgt, desto wirksamer ist sie und desto geringer ist der Schaden.

9 Schluss

Gerade wegen seiner Komplexität bleibt der Bereich des Schädlingsmanagements auch in der Zukunft ein sicheres und spannendes Geschäft und wird von dauerhafter Relevanz und Bedeutung für die Gastronomie sein.
Das Bewusstsein, dass ein Schädlingsbefall theoretisch zu jeder Zeit in jedem Objekt möglich ist, verlangt ständige Aufmerksamkeit und das Wissen über die Befallsmöglichkei-ten und Lebens- und Verhaltensweisen der Schädlinge. Dafür ist es wichtig, sich über die-ses Thema zu informieren und sich damit auseinander zu setzen.

Häufig ist leider selbst das Personal zu wenig sensibilisiert. Wenn man nicht weiß, wie die Nagespur einer Ratte aussieht, wird man eine von Ratten angefressene Kellertür nicht erkennen. Und wenn man nicht weiß, dass herumliegende Essensreste in der Nacht Schädlinge als Nahrung dienen können, wird man die Notwendigkeit des Aufräumens nicht einsehen. Dabei ist die Beachtung von hygienischer Notwendigkeit und die Einhal-tung lebensmittelrechtlicher Grundlagen eine wichtige Voraussetzung für eine sichere Zu-kunft.

Es ist sehr wichtig, dass das gesamte Personal hinsichtlich der Schädlinge sensibilisiert wird. Dies kann beispielsweise durch hausinterne Schulungen, welche oftmals von den betreuenden Schädlingsbebkämpfern als Serviceleistung angeboten werden, geschehen. Diese haben nicht nur das Fachwissen, sondern bringen auch Anschauungsmaterial wie Kot, Fraßspuren oder Fotos von Schädlingen mit.

„Schädlinge zu haben ist keine Schande, sondern eine fast alltägliche Normalität und oft-mals auch nicht zu verhindern. Schädlinge zu dulden, sie als unabdingbar zu akzeptieren ist hingegen eine kurzsichtige und egoistische Handlungsweise“.

Literaturverzeichnis

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Reichholf, Josef H./Steinbach, Gunter:
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Reichholf, Josef H./Steinbach, Gunter:
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Der praktische Schädlingsbekämpfer 07/08.2002, Gesundheit

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Der praktische Schädlingsbekämfper 02.2002, Schädlingsbiologie

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Heidelberg, 08. März 2003

Nadine Schwamm
geb.08.06.1979 in Friedberg
Rathausstrasse 3
69126 Heidelberg