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Flöhe

Bild: 

„Froh hüpft der Floh, vermutlich bleibt’s noch lange so“, fand Wilhelm Busch vor Jahren. Das ist heute anders – dank zuverlässiger Bekämpfung mit Trockeneis. Flohplagen werden heute überwiegend durch Tierflöhe verursacht. Das Problem eskaliert, wenn Wohnungsbesitzer vom Urlaub zurückkehren und von den hungrigen Blutsaugern überfallen werden.

Normalerweise bleiben Flöhe ihrem gewohnten Wirt treu. Von ihm haben sie auch ihren Namen: Katzenfloh, Hundefloh, Menschenfloh, Rattenfloh, Kaninchenfloh, Vogelfloh, Igelfloh usw. (Es gibt in Deutschland etwa 70 Floharten). Fehlt das gewohnte Wirtstier – z. B. wegen Umzug, Reise, Ausquartierung, Verkauf, Abwanderung oder Tod – dann wird sofort ein anderer „Blutspender“ auserkoren – häufig der Mensch.

Darum werden auch nach Rattenbekämpfungen Menschen viel häufiger gestochen als vorher. Im Mittelalter starben an der Pest erst die Ratten und dann Menschen. Daß Flöhe dafür verantwortlich waren, erkannte man erst sehr viel später.

In aller Regel hat man es heute mit Katzen- oder Hundeflöhen zu tun. Fehlen Haustiere, gibt die Identifizierung der Flohart einen Hinweis auf die Befallsursache und ermöglicht oft dadurch erst die endgültige Beseitigung der Plage.

Aussehen

1,6 – 3,2 mm groß, dunkelrot/braun. Flügellos. Stark ausgebildete Hinterbeine ermöglichen Sprünge bis zu 30 cm hoch und 50 cm weit (Relation Mensch/Wolkenkratzer). Abgeflachte Körperform und nach hinten gerichtete Dornen auf dem Körper begünstigen die Vorwärtsbewegung zwischen Haaren oder Federn und erschweren die Entfernung.

Entwicklung/Lebensweise

Flöhe entwickeln sich über die Stadien Ei, Larve, Puppe, Imago (= erwachsen und geschlechtsreif). Der Entwicklungszyklus dauert je nach Temperatur, Feuchtigkeit und Nahrung von 2 Wochen bis zu 8 Monaten, meistens einige Wochen.

Eiablage

Die Eier werden vom Weibchen wahllos auf dem Wirtstier abgelegt und nicht festgeklebt. Sie sind weich, oval, hell und nur ½ mm groß. Sie fallen auf den Boden oder in das Nest bzw. die Lagerstätte des Wirtes. Das erklärt die große Anzahl von Flöhen in den Behausungen von Katzen und Hunden und auf bestimmten Teppichen oder Flächen des Hauses. Verteilt über die Lebenszeit legt ein Weibchen mehrere hundert Eier in Schüben mit je 10 – 12. Daraus schlüpfen je nach Temperatur und Feuchtigkeit nach 2 – 14 Tagen die Junglarven.

Larve

Die Larven von Flöhen sind schlank, strohfarben und bewegen sich schlängelnd. Sie sind blind, meiden Licht und fallen nur selten auf. Bei Teppichen bevorzugen sie die Basis des Flors. Es gibt drei Larvenstadien. Die Larven brauchen zwei Wochen bis zu mehreren Monaten für ihre vollständige Entwicklung. Sie werden etwa ½ cm lang. Ihre Nahrung besteht aus organischen Abfällen, Staub, Schuppen, Kotpartikeln und Blutresten in den Schlafstätten der Haustiere oder in Dielenritzen. Die Larven haben beißende Mundwerkzeuge, stechen also nicht.

Puppe

Ausgewachsene Larven spinnen für die Verpuppung einen seidenen Kokon. Wegen der eingewobenen Schmutzpartikel ist er nur schwer auffindbar. Am ehesten findet man Kokons an der Oberfläche von Teppichen und Teppichböden. Das Puppenstadium dauert 5 – 10 Tage, je nach Art und Umständen auch wesentlich länger.

Zum Schlüpfen schafft sich der Floh im Kokon eine länglich-ovale Öffnung. Er hat sofort die endgültige rotbraune Färbung.

Imago

Fehlt ein Wirt, bleiben die Flöhe oft wochen- und monatelang in ihrem Kokon und sprengen ihn erst, wenn sie durch Erschütterung das Nahen eines Blutspenders bemerken. Normalerweise schlüpfen aber die erwachsenen Tiere bald aus und gehen sofort auf Nahrungssuche. Der erwachsene Floh verbringt die meiste Zeit seines Lebens auf seinem Wirt, um dort Blut zu saugen, zu kopulieren und Eier zu legen. Stirbt der Wirt, verläßt ihn der Floh in Minu-tenschnelle. Ohne Blut können die Weibchen keine Eier produzieren. Flöhe saugen mehrmals am Tag, wenn das Gasttier in bequemer Nähe ist. Sie können aber auch wochenlang – u. U. sogar bis zu einem Jahr – auf die nächste Nahrungsaufnahme warten.

Hunger kann ein Abwandern in benachbarte Wohnun-gen und Häuser verursachen. Manche Flöhe stechen oft und saugen jeweils wenig, besonders wenn sie durch Kratzen gestört werden. Andere saugen 3 – 4 Stunden lang und hören selbst dann nicht auf, wenn sie schon voll mit Blut sind. Die überschießende Menge wird fast unverändert ausgeschieden und verursacht kleine Blutflecken.

Bekämpfung

Eine wirksame Flohbekämpfung besteht aus fünf Stu-fen:

1.    Inspektion.
2.    Vorbereitende Maßnahmen.
3.    Behandlung der Haustiere (Tierarzt).
4.    Raumentwesung.
5.    Bekämpfung im Freien.

Es ist notwendig, jede Stufe zu beachten, um die Möglichkeit eines Wiederbefalls auszuschließen.

1. Inspektion

Vor jeder Raumentwesung müssen die Brennpunkte des Befalls ermittelt werden. Wenn Heimtiere in der Wohnung gehalten werden, sind Kenntnisse über die Schlaf- und Aufenthaltsplätze wichtig. Hier sind in der Regel die meisten Eier, Larven und Puppen zu finden. Auch die Bestimmung der Flohart liefert wichtige Hin-weise auf die Befallsursache.

2. Vorbereitende Maßnahmen

Hilfreich ist eine Checkliste, damit die befallenen Räu-me vorbereitet werden können. Die Checkliste sollte folgende Hinweise enthalten:

- Kinderspielzeug einsammeln und waschen/ reinigen. Wir empfehlen hierzu unsere in der Waschmaschine auflösbaren Wäschesäcke.
- Fußböden, Teppiche, Polstermöbel usw. gründlich absaugen; Staubsack in luftdichte Plastikbeutel stecken und bald vernichten.
- Unterlagen in den Schlafstätten der Haustiere, also Matten, kleine Teppiche oder Decken, waschen reinigen oder vernichten.

Durch das Absaugen wird ein Teil der erwachsenen Flöhe aus dem Teppich geholt, kaum jedoch Larven. Absaugen trägt dazu bei, daß das Trockeneis (CO 2) später tiefer in den Teppichflor eindringen kann.

3. Behandlung der Haustiere

Wenn der Wirt ein Heimtier ist, muß es behandelt werden. Das ist ausschließlich Sache eines Tierarztes! Es gibt für diesen Zweck spezielle Präparate. Diese Maßnahme wird häufig übersehen. Der Betroffene muß auf die Wichtigkeit der Tierbehandlung hingewiesen werden! Neubefall gibt es in aller Regel dann, wenn die Haustiere nicht zur gleichen Zeit wie die Räume behandelt werden.

4. Raumentwesung

Wir empfehlen eine Bekämpfung mit dem ungiftigen Schneemeister-Verfahren, bei dem die Tiere durch Trockeneis (CO2) schockgefroren werden. Eine gezielte Behandlung von befallenen, belaufenen und verdächtigen Stellen führt dabei meist zur Tilgung. Die Stadien Ei , Puppe und Larve werden dabei ebenfalls abgetötet.

Eine großflächige Ausbringung und Wiederholung der Bekämpfung ist meist unumgänglich. Böden, Teppiche, Teppichböden, Scheuerleisten, Polstermöbel etc. sind dann lückenlos, aber fein zu besprühen. Hochflorige, zottige Teppiche können die Befallstilgung verzögern.

Das Trockeneis, welches in dünnen Schichten kurzfristig auf die befallenen Bereiche aufgebracht wird, hat auf die befallenen Materialien und Gegenstände keine negativen Auswirkungen.

Befallene Gegenstände, welche gewaschen werden müssen, können vor dem Waschvorgang vor Ort in spezielle Wäschebeutel verpackt werden, die sich beim Waschen in der Waschmaschine auflösen. Somit wird einer möglichen Verschleppungsgefahr vorgebeugt.

5. Bekämpfung im Freien

Die Behandlung von Terrassen, Schuppen, Lauben, Garagen u. ä. Objekten im Freien kann notwendig sein, wenn bei einer vorausgegangenen Inspektion Befallsanzeichen festgestellt wurden. Zu prüfen sind alle möglichen Behausungen von Säugetieren und Vögeln, also Hundehütten bzw. -zwinger, Lagerstätten herumstreunender Katzen oder Hunde, Vogelnester und Nistkästen (kehren die Vögel nach dem Winter nicht zurück, wandern im März/April die Vogelflöhe aus und dringen dabei in Wohnräume ein), Bauten von Ratten, Mäusen, Igeln u. ä.

Vor der Behandlung muß man Kot, Mist, Abfälle, orga-nischen Unrat aller Art und auch tierischen Dünger entfernen. Bei Bekämpfungen im Freiland sind wasserverdünnte Konzentrate zu bevorzugen. Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, trockenen Boden vor der Behandlung anzufeuchten; das bringt Flohlarven an die Oberfläche.

Flohstiche

Die typische Reaktion beim Menschen ist die Bildung von kleinen, harten, roten, leicht erhöhten Papeln. Blu-ten kommt vor. Im allgemeinen kann man in der Mitte der Stelle den Einstich sehen. Diese typischen Merk-male unterscheiden Flohstiche von den Stichen und Bissen anderer Insekten. Ameisen und Spinnen hinterlassen bei ihren Bissen zwei Markierungen. Stechmücken, Bienen, Wespen und Wanzen hinterlassen großflächige Schwellungen.

Die Reizung wird durch eine speichelartige Sekretion der Flöhe verursacht und äußert sich recht verschie-den. Wenige Menschen reagieren stark mit einem all-gemeinen Hautausschlag oder mit einer Entzündung. Durch Kratzen der gereizten Hautstellen kann eine Se-kundärinfektion entstehen. Manche Personen vertragen Stiche reaktionslos

Flöhe übertragen Krankheiten

Von der teilweise erheblichen Störung des allgemeinen Wohlbefindens abgesehen, sind Hautreizungen bzw. Hautjucken und Infektionen durch Kratzen der Stichstellen hierzulande die üblichen Auswirkungen von Flohstichen. In warmen und tropischen Ländern hingegen gibt es schwere Krankheiten (z. B. typhoide Erkrankungen, Pest), die durch Flöhe übertragen werden. Freilebende Nagetiere können dabei ein latentes Seu-chenreservoir bilden.

Einige Bandwürmer benutzen den Floh als Zwischen-wirt. Das gilt besonders für den Katzen-, Hunde- und Rattenfloh. Aber auch der Menschfloh ist schon als Zwischenwirt ermittelt worden. Die Übertragung erfolgt nicht durch den Stich; sie ist nur dann möglich, wenn der infizierte Floh in den Verdauungsweg des Wirtes gelangt.