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Bettwanzen bekämpfen mit dem Schneemeister-Verfahren

Bettwanzen (Cimex lectularius)

Biologie, Verhalten und Entwicklung der Bettwanzen (Cimex lectularius)

Bettwanzen (Cimex lectularius) kommen weltweit ganzjährig in Wohnungen (vor allem Schlafräumen) und Hotelzimmern vor. Ihre Verbreitung erfolgt meist passiv, häufig werden sie mit Gebrauchsgegenständen wie Textilien, Reisegepäck, Möbeln, Elektrogeräten, Bildern oder Büchern verschleppt.
Die Bettwanzen sind nachtaktiv und mehr oder weniger verstecktreu (auch wenn dadurch Wege zum Wirt länger werden). Sie  scheuen Zugluft und Nässe und können Kälte und  Frost zeitweilig ertragen. Bei Nahrungsmangel können die Insekten auch weitere Strecken (von Zimmer zu Zimmer) zurücklegen.
Sowohl die Larven (Nymphen) als auch die Erwachsenen Tiere (Adulte)  saugen Blut (auch an Haustieren). Die Nahrungsaufnahme erfolgt,  bei Zimmertemperatur,
ca. einmal in der Woche. Die Insekten können zwischen 6 Monaten und einem Jahr (seltener) ohne Nahrung auskommen.

Die Weibchen legen täglich 2-10 Eier, insgesamt 200 bis 500 Eier. Sie benötigt vor Eiablage eine Blutmahlzeit. Die Larven schlüpfen, in Abhängigkeit  von den Umweltbedingungen, nach 5-20 Tagen. Die  Larvenentwicklung dauert bei 30°C ungefähr 20 Tage, bei 22°C bis 40 Tage.  Unterhalb Zimmertemperatur kann die Entwicklung aber auch bis zu einem Jahr dauern.
Bei Temperaturen unterhalb 14°C findet keine Weiterentwicklung mehr statt aber die Bettwanzen können überleben

Befallshinweise liefern meist Stiche (teilweise mit Quaddelbildung) am Menschen (gelegentlich an Haustieren), die den Wirten während der Schlafphasen vor allem im der  Nacht zugefügt werden.
Da die Schädlinge in aller Regel eingeschleppt werden (meist in geringer Anzahl) dauert es oft lange bis ein Bettwanzenbefall auffällt. Erst bei großer Anzahl von Bettwanzen, die nicht  täglich sondern eher 1x wöchentlich fressen müssen, wird der Befall bemerkt, selbst  dann kommt es auf die Reaktion der gebissenen Personen an. Ca 50% der betroffenen Personen zeigen keine oder nur sehr geringe Symptome.  Aus diesem Grund wird Bettwanzenbefall oft erst erkannt, wenn es sich bereits um einen sehr starken Befall handelt.

Die Parasiten verstecken sich tagsüber in Ritzen, Spalten (häufig in Bettnähe) oder hinter Bilderrahmen. Die Schädlinge sondern ein Aggregationspheromon ab, das dazu führt, dass sich die Insekten oft an bestimmten Plätzen gehäuft vorfinden lassen.
Erkennbar sind außer den erwachsenen Tieren und Nymphen oft die, mit wässrigem Sekret und Kot, angeklebte Eiablagen, sowie  der oft  tropfenförmige, meist schwarze, gelegentlich hellere, bluthaltige Kot in Wäsche (vor allem Bettwäsche) sowie in Versteckbereichen. Bei starkem Befall kann ein typischer süßlicher Geruch auftreten.

Medizinische Bedeutung

Auf und in Bettwanzen wurde mehrfach eine Reihe von Krankheitserregern wie z.B. Hepatitis-Viren nachgewiesen. Allerdings gibt es bisher meines Wissens keinen Nachweis über einer tatsächlichen Übertragung einer Krankheit.
Die Reaktion von Menschen auf Bettwanzenbisse ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen zeigen keine oder fast keine Reaktion. Während es bei anderen Personen durch  die Injektion von geringen Speichelmengen zu heftigen Reaktionen kommt. Dies ist  vor allem der Falle bei wiederholter Exposition. Dabei kann eine Sensibilisierung stattfinden die in eine allergische Reaktion münden kann. Häufig kommt es dagegen zu Infektionen der Bissstelle als Folge der Verletzungen der Haut durch Kratzen.
Generell können  Bettwanzenbisse nur schwer von  Bissen anderen Insekten unterschieden werden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Bettwanzen zählen  zu den am schwierigsten zu bekämpfenden Schädlingen überhaupt.

Chemische Bekämpfung:

In der Regel werden bei der chemischen Bekämpfung von Bettwanzen Spritz-/Sprühverfahren, gelegentlich auch Nebelverfahren, angewendet. Dabei werden oft Langzeitmittel eingesetzt.  Dies ist  nicht immer unbedenklich, da bei der Ausbringung sorgfältig vorgegangen werden muss, um die Räume nicht zu kontaminieren. Häufig werden die Schädlingsbekämpfungsmittel nach der Bekämpfung nicht entfernt, oder es wird dabei wird oft nicht sorgfältig genug vorgegangen, so dass Menschen mit dem Insektizid in Kontakt kommen können.
Bei Verwendung von Kurzzeitmitteln müssen mindestens 2 Wiederholungsbehandlungen im Abstandsintervall von 2 Wochen durchgeführt werden.
In Hohlräumen, bei denen keine Gefahr der mechanischen oder luftstrombedingten Austragung besteht, können auch insektizide Stäube eingesetzt werden.
Der ausschließliche Einsatz von Insektenwachstumsregulatoren ist zur Bekämpfung nicht geeignet.

Bei der Behandlung müssen auch Gebrauchsgegenständen miteinbezogen werden.

Als Vorbereitung müssen alle in Frage kommenden Versteckmöglichkeiten freilegt, Möbel abgerückt und Steckdosen etc. entfernt werden.

In den letzten Jahren sind vermehrt Resistenzen gegen chemische Mittel aufgetreten d.h. Die Bettwanzen sterben beim Einsatz dieser Mittel nicht  mehr ab.

Alternative Bekämpfungsmethoden

Eine Alternativmethode stellt die Wärmeentwesung dar. Dabei wird,  mit  speziellen Öfen, die Zimmer- und vor allem Objekttemperatur, für einen möglichst langen Zeitraum, aufgeheizt  und somit das Eiweiß der Parasiten zum Gerinnen gebracht. Angestrebt wird meist eine Raumtemperatur von 55-60 °C. Der Tod der Insekten ist artabhängig, tritt aber meist bei Temperaturen zwischen 42° C und 45° C, durch die Denaturierung der Eiweißsubstanzen, ein.
Diese Methode ist allerdings mit  sehr viel Aufwand und Kosten verbunden

Seit  einigen Jahren werden Bettwanzen und andere Schädlinge mit sehr großem Erfolg mit  Trockeneis-Schnee (CO2-Schnee)  bekämpft. Nach erfolgreichem Einsatz des Verfahrens zur Bekämpfung von Schädlingen durch Schockgefrieren in Skandinavien, USA, Australien und Japan ist das System jetzt auch in Deutschland verfügbar. Es handelt sich um ein innovatives, umweltfreundliches Verfahren bei dem die Schädlinge mit Hilfe von CO2-Schnee abgetötet werden.
Das mobile Cryonite-System besteht aus einem Kohlendioxidbehälter, der mit einem Steigrohr ausgestattet ist, einem druckfesten Schlauch und einer speziellen Lanze mit der der CO2-Schnee mit einer Partikelgröße generiert wird, der einen maximalen Kontakt mit den Schadinsekten ermöglicht. Der auf die Schadinsekten ausgebrachte CO2-Schnee hat eine Temperatur von ungefähr -78°C. Durch die Verdampfung wird den getroffenen Schadinsekten sehr schnell Energie in Form von Wärme entzogen. Das in den Zellen der Schädlinge vorhandenen Wasser gefriert und dehnt sich dabei so aus, dass die Zellen platzen. Damit können alle Entwicklungsstadien der Schädlinge (vom Ei bis zum erwachsenen Tier) abgetötet werden.
Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass keine giftigen Rückstände auf den behandelten Materialien verbleiben. So können behandelte Räume, wie z.B. Hotelzimmer, sofort wieder benutzt bzw. weitervermietet werden und es kommt zu keinen finanziellen Einbusen durch Ausfallzeiten. Nach Behandlungen von Arbeitsgeräten/Maschinen oder Räumen kann z.B. in der Lebensmittelproduktion sofort weitergearbeitet werden, es muss nichts abgedeckt oder anschließend gereinigt werden, während der Behandlung produzierte Lebensmittel können verkauft werden.  Auch in Privathaushalten kommt es z.B. bei der Bekämpfung von Flöhen, Staubläusen, Fruchtfliegen und anderen Schädlingen zu keinerlei Umweltbelastung.
Bei dem eingesetzten CO2 handelt es sich um ein Recycling

Begleitenden Maßnahmen

Die befallenen Räume müssen äußerst gründlich und  wiederholt  abgesaugt/gereinigt  werden, insbesondere alle potentiellen Verstecke. Die Staubsaugerbeutel sind unmittelbar zu entsorgen. Alle betroffene Textilien und Gebrauchsgegenstände müssen gewaschen/gereinigt werden. Beim Abtransport  der Wäsche aus den befallenen Zimmern ist  darauf zu achten, dass die Tiere nicht im gesamten Gebäude verschleppt werden, indem die Wäsche nur in gut verschlossenen Beuteln transportiert werden. Dementsprechend ist dafür Sorge zu tragen, dass sich die Insekten auch  nicht  in der Wäschekammer ausbreiten können.

Erfolgskontrolle

Die beste Erfolgskontrolle ist das ausbleiben weiteren Wanzenstiche. Aber auch der Einsatz von Austreibesprays im Rahmen einer Inspektion und der Einsatz von Fallen/Monitoren können hilfreich sein.

 

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